Atombombenabwürfe auf Japan – Warum? (1/2)

Bild 1: Explosionen von Atombomben

Am 6. August 1945 um 8:15 wurde die Stadt Hiroshima als erste Stadt der Welt Opfer einer Atombombe (Bild 1). 

Papierkranich gefaltet und gebetet

Das japanische Volk hat in den letzten über 70 Jahren immer wieder Papierkranich gefaltet und gebetet „No more Hiroshima“, also „Nie mehr Hiroshima“ (Bild 2). Und in zahlreichen, in Japan veröffentlichten Berichten und Dokumenten sind Ausmaß der Zerstörung sowie Leiden von Atombomben-Opfern restlos beschrieben. Darin häufig vorkommende Begriffe sind: Tragödie, Grauen, Hölle, Unmenschlichkeit und Strahlenverseuchung. Die Berichte enthalten aber kaum Gründe und Hintergründe, die zum Einsatz der Atombombe führten. Und sie münden in einen allgemeinen Appell zur Ächtung von Kernwaffen. 

Ich muss mich nun fragen, „Hat der Appell etwas gewirkt?“. Bis zu einem gewissen Grad „Ja“, denn seit dem Ende des 2. Weltkriegs wurde keine Atombombe mehr auf Menschen abgeworfen. Aber viele Staaten sind heute im Besitz von atomaren Waffen, die wieder im Krieg eingesetzt werden könnten. Ich glaube, es reicht nicht, nur mit der Parole „No more Hiroshima“ an die Welt zu appellieren und nur über Elende der Schäden zu klagen, um Wiederanwendung von nuklearen Waffen zu verhindern. Wir sollten es ins Klare bringen, was für welche politischen und militärischen Strategien sowie Überlegungen damals zur teuflischen Entscheidung führten. Und wir sollten Informationen über den Entscheidungsprozess als gemeinsame Vermögen der Menschheit aufrechterhalten.       

„Atombombenabwürfe auf Japan – Warum?“ – Das ist eine sensible, politische Frage. Aber ich bin der Meinung, dass man Geschichte nicht politisch oder emotional, sondern objektiv und wissenschaftlich betrachten sollte, damit wir daraus etwas lernen können. 

Geheime Dokumente

Die Nationale Verwaltungsstelle für Archivgut und Unterlagen der Vereinigten Staaten ist verantwortlich für Schutz und Erhalt historischer und staatlicher Dokumente. Hier archivierte, militärisch und politisch geheime Dokumente wurden in den letzten Jahrzehnten nach und nach stückweise veröffentlicht. Für das vorliegende Thema gibt es somit reichlich Quellen und Sekundärliteratur. 

Meine Absicht in diesem Aufsatz ist es, nicht ein bestimmtes Land und sein Volk vorzuwerfen, sondern auf Fakten basierende, historische Hintergründe der Atombombenabwürfe darzustellen. 

Zuerst handeln wir die Frage „Wie entstand die Atombombe?“ ab. 

Im Dezember 1938 wurde es in Deutschland nachgewiesen, dass bei Kernspaltung gewaltige Mengen an Energie freigesetzt werden, die der Mensch bis dahin für utopisch gehalten hatte. Das war also die Entdeckung von Atomenergie. Am 1.9.1939 brach der zweite Weltkrieg aus. 6 Wochen später erhielt der amerikanische Präsident Franklin Roosevelt einen Brief von drei Kernphysikern mit der Unterschrift von Albert Einstein (Bild 3). Die drei Wissenschaftler waren vom Nazismus geflüchtet in die USA ins Exil gegangen. Diese immigrierten Wissenschaftler waren darum besorgt, dass Nazideutschland eine Atombombe entwickeln könnte, und wollten deshalb die amerikanische Regierung darauf aufmerksam machen. 

Obwohl Roosevelt daraufhin ein entsprechendes Komitee gründete, nahm er es nicht wirklich ernst, weil man zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, ob eine nukleare Waffe wirklich entwickelt werden konnte. 2 Jahre später berichtete ein Physiker, der in Großbritannien ins Exil gegangen war, das Grundprinzip von Uran-Atombombe sowie dafür notwendige kritische Uran-Menge. Hierdurch wurde es zum ersten Mal klar, dass eine Atombombe realisierbar war und auf einen Langstreckenbomber verladen werden konnte. Großbritannien gliederte seine Kernforschung vollständig in die amerikanische ein. Die Physiker wollten Roosevelt und den britischen Premierminister Winston Churchill zu einem Programm zum Bau einer Atomwaffe bewegen, um Deutschland zuvorzukommen. Roosevelt startete ein Atombombenprogramm mit der Tarnbezeichnung „Manhattan Projekt“ (Bild 4). Das „Manhattan Projekt“ war ein geheimes Projekt, das die USA und Großbritannien für Entwicklung und Produktion der ersten Atombombe gemeinsam ausarbeiteten. Die technische Hauptaufgabe dieses Staatsprojektes war Anreicherung von Uran. 2 Jahre später wurde die Herstellung von hochkonzentriertem Uran möglich. 11 Monate vor dem Atombombenabwurf auf Hiroshima fand ein Treffen von Roosevelt und Churchill statt. Das Gesprächsthema war ein Geheimabkommen bezüglich der nuklearen Energie, wobei die Absicht eines Atombombenabwurfs gezeigt wurde; und zwar auf Japan.  

Ziel des Atombombenabwurfs

Obwohl die Atombombe schnell entwickelt wurde, um Deutschland zuvorzukommen, und Deutschland zu diesem Zeitpunkt noch nicht kapituliert war, kam Deutschland als Ziel des Atombombenabwurfs niemals infrage.

Warum? 

Es gab zwei mögliche Gründe. 

Der eine war, dass zahlreiche Militärs, wie General Eisenhower, deutsche Vorfahren hatten und ca. ein Viertel des amerikanischen Volks deutschstämmig waren. 

Der andere Grund war, dass die USA eine mögliche atomare Vergeltung von Deutschland befürchteten, weil Deutschland früher als die USA nukleare Forschung begonnen hatte.

  • Bild 2: Papierkraniche und Gebet

  • Bild 3: Brief mit der Unterschrift von Albert Einstein

  • Bild 4: „Manhattan Projekt“

Bild 5: Tinian-Insel

Nun gehen wir zur nächsten Frage Wie wurde der Kriegseinsatz der Atombombe vorbereitet?“.

Für Ausführung nuklearen Angriffs wurde eine Spezialtruppe formiert, die aus der amerikanischen Armee und Kriegsmarine bestand. Und es wurde ein Geheimtraining dafür begonnen. 

Anfang 1945 wurde ein Stützpunkt für die Operation auf Tinian-Insel (Bild 5) errichtet. Und Mitte des Jahres rückte die Spezialtruppe auf die Insel. Diese winzige Pazifikinsel, die sechs Flugstunden südlich von Japan entfernt ist, war der größte Luftwaffenstützpunkt der Welt und wirkte wie ein gigantischer Flugzeugträger.  

Während die Vorbereitung des atomaren Abgriffs fortschritt, äußerte ein Teil der Beteiligten ihre Bedenken. Wissenschaftler waren nämlich der Meinung, dass Kernenergie für friedliche Anwendung entwickelt werden sollte. Sie waren aus ethischer Sicht gegen Atombombenabwurf über eine Stadt. Offiziere des Militärs behaupteten, dass ein Einsatz von Atombomben nicht mehr notwendig war, um Japan zur Kapitulation zu zwingen und schlugen einen Abwurf auf eine Wüste oder eine verlassene Insel vor. Außerdem gab es einige, der Regierung nahen Anhänger, die gegen Atombombenabwurf ohne Vorwarnung waren, auch wenn es doch passieren sollte. Aber die oberste Schicht der Regierung wies all solche Einwände ab.

Darüber hinaus wurde die Fortführung der Atombomben-Strategie aus dem folgenden Grund sogar intensiviert. Der Präsident Roosevelt verstarb nämlich unerwartet, so dass der Vizepräsident Truman das Amt übernahm. Einige Historiker deuten an, dass dieses Ereignis zum Atombombenabwurf auf Menschen beitrug, denn Truman stammte aus einer kleinen Provinzstadt im südlichen Staat Missouri und war ungebildet, langweilig und konservativ. Er wollte kompensatorisch für seinen Minderwertigkeitskomplex seine Macht häufig übermäßig ausüben.   

Im US-Bundesstaat New Mexico wurde der erste Atombombentest mit dem Code-Name „Trinity“ durchgefühlt (Bild 6). Es kam also zur Zündung der ersten von drei entwickelten Atombomben. Eine glühende, immer größer werdende Feuerblase ging wie eine zweite Sonne über der Wüste auf. In diesem Augenblick herrschte im Kern des Feuerballs eine Temperatur von mehreren Millionen Grad Celsius – tausendmal heißer als die Oberfläche der Sonne. Die Zerstörungskraft von Hitze und Druckwelle übertraf die Erwartungen von Militärs und Wissenschaftlern deutlich. Truman war von diesem Test begeistert. Nachdem der Trinity (Dreieinigkeit)- Test gelang, befiehl Truman Atombombenabwurf auf Japan. Damit scheiterten alle Versuche, atomaren Angriff gegen Japan zu verhindern. 

Wie waren die japanischen Reaktionen (Bild 7) darauf zu diesem Zeitpunkt? 

Japan wusste, dass eine amerikanische Truppe auf die Tinian-Insel vorrückte. Japan merkte auch, dass Langstreckenbomber B-29 unweit von der Tinian-Insel hin und her flogen. Aber auf die wirkliche Aufgabe dieser Truppe kam Japan im Voraus nicht. Im Grunde genommen hatte die japanische kaiserliche Armee nicht begriffen, wie weit die Entwicklung von Atomwaffen in Amerika fortgeschritten war. Es wurde in Japan zwar die Nachricht veröffentlicht, dass im Juli 1945 im US-Bundesstaat New Mexico ein neues Experiment durchgeführt wurde, aber in der Nachricht fand sich überhaupt kein Wort wie „Atombombe“ oder „Atomenergie“ oder „nukleare Waffe“ oder dergleichen. Also, Japan, hatte keine Ahnung von der bevorstehenden Katastrophe. 

Die dritte Frage ist „Warum wurden Hiroshima und Nagasaki als Ziele des atomaren Angriffs ausgewählt?“.

Unter den 17 zuerst als mögliche Ziele ausgewählten Städten fand sich auch Kyoto. Aber Kyoto wurde später aus der Liste gestrichen.  

Warum? 

Der US-Kriegsminister, der zweimal in Kyoto gewesen und von der Stadt begeistert war, war entschieden dagegen, Kyoko zu zerstören, weil er wusste, dass die Stadt einen geistigen und kulturellen Mittelpunkt des Landes bildet. Die Entscheidungsträger dachten; wenn die USA mittels einer Atombombe Kyoto vernichten würden, müssten sie später eine sehr starke Antipathie vom japanischen Volk erleiden, was nach dem Krieg beim Aufbau von zu den USA freundlichem Japan ein großes Hindernis würde. Das heißt, die USA entschlossen sich dazu, Kyoto nicht zu bombardieren, um eine politische Oberhand in der Nachkriegsvölkergemeinschaft zu behalten.   

Letzten Endes wurden Nagasaki, Kokura, Hiroshima und Niigata ausgewählt (Bild 8). Während fast alle japanischen, großen und mittel-großen Städte gegen Ende des Kriegs durch mehrmalige Luftangriffe nahezu vollständig zerstört waren, waren diese Städte von einem Luftangriff noch verschont geblieben, was für die Analyse der Schäden durch atomare Explosion sehr wichtig war. Konventionelle Luftangriffe auf diese vier Städte wurden dann deshalb verboten. 

Warum aber wurde Hiroshima als Zielnummer 1 ausgewählt? 

  • Bild 6: Trinity-Test

  • Bild 7: Operations-Meeting der japanischen Marine

  • Bild 8: Landkarte mit 4 Städten

Bild 9: Flugrouten nach Hiroshima und Nagasaki

Weil Hiroshima die größte noch nicht bombardierte Stadt war und weil die großflächige, flache Bodengestalt der Stadt dazu geeignet war, Zerstörungskraft der Bombe zu messen und Effekte der Explosion festzustellen. Die USA hatten zwar mit Flugblättern die Zivilbevölkerung vor einer Bombardierung gewarnt, aber die Flugblätter enthielten keinen Hinweis auf Atombombe und deren Wirkung. 

Hiroshima

Am 06.08.1945 wurde eine Uran-Atombombe auf Hiroshima abgeworfen. 

Das war so; 

an dem Morgen erschien eine amerikanische Formation aus drei Flugzeugen am Himmel von der Stadt Hiroshima (Bild 9). Das eine war Langstreckenbomber B-29 mit der Bombe, die anderen zwei waren Begleitflugzeuge mit Messinstrumenten und Kamera-Team am Board. Ein Fliegeralarm wurde gegeben, so dass die Bürger von Hiroshima in Luftschutzräumen Schutz suchten. Sie nahmen an, dass es sich um Aufklärungsflugzeuge handelte, da Japan täglich von Erkundungsflugzeugen überflogen worden war. Die Formation der drei Flugzeuge überflog die Stadt, wie angenommen. Die Fliegerwarnung wurde zurückgenommen. Es war ein heißer Tag. Die Menschen kamen aus den Luftschutzbunkern heraus, um Kühle zu genießen. Das war um 8:15 Uhr. Zahlreiche Menschen waren unterwegs zu Schulen oder Arbeitsstellen. In diesem Augenblick kam der Bomber B-29 zurück und warf die Atombombe, namens „Little Boy“, über die Stadt ab. Die Menschen hatten keine Zeit mehr, schützende Räume aufzusuchen. Das war ein Täuschungsmanöver. Die Bombe detonierte direkt über der Innenstadt von Hiroshima (Bild 10 links). 

Japanische Reaktion 

Nun, wie reagierte Japan darauf?

Einige japanischen Kernphysiker vermuteten, dass es sich um eine atomare Explosion handeln konnte. Sie waren aber nicht sicher, weil sie den Fortschritt der amerikanischen Kernforschung und den Zeitpunkt der Produktion einer nuklearen Waffe falsch eingeschätzt hatten. Obwohl der amerikanische Präsident Truman 16 Stunden nach der Bombardierung eine Erklärung abgab, dass die Bombe eine nukleare Waffe gewesen war, wollte die japanische Militärregierung nicht zugeben und sagte, „Das wäre eine Intrige der USA“. Dem japanischen Volk teilte die Kriegsregierung mit, dass die detonierte Bombe irgendeine neue Bombe zu sein schien und dass eine genaue Untersuchung im Gang war.   

Potsdamer Konferenz (Bild 11)

10 Tage zuvor waren Potsdamer Beschlüsse bekannt gemacht worden. Die japanische Entscheidung für Kapitulation lag noch nicht vor. Die Vereinigten Staaten von Amerika beschlossen den zweiten Atombombenabwurf schon 75 Stunden später nach Hiroshima. Die meisten Historiker teilen heute die Ansicht, dass die USA möglichst schnell den zweiten atomaren Angriff eröffnen wollten, bevor Japan sich für Kapitulation entschied. Dazu wird es später detailliert geschildert.  

Nagasaki

Am 09.08.1945 flog ein B-29 in einer Formation von drei Flugzeugen in Richtung Kokura, das nächste Angriffsziel. Bei der Ankunft lag Kokura unter einer dichten Wolkendecke, so dass die Sicht stark behindert war. Die Formation musste deshalb ihre Flugrichtung ändern und nahm dann Nagasaki aufs Ziel (Bild 9). Das heißt, Nagasaki wurde von einem grausamen Schicksalsschlag getroffen. Am Vormittag kam zuerst ein Aufklärungsflieger an den Himmel von Nagasaki, so dass der Fliegeralarm gegeben wurde. Aber weil das „nur“ ein Aufklärungsflieger war, wurde die Warnung wieder zurückgenommen. Da erschien plötzlich ein B-29-Bomber und klinkte eine Plutonium-Bombe, namens „Fat Man“, über dem Wohnviertel aus (Bild 10 rechts). „Dicker Mann“ war übrigens der Beiname von Winston Churchill.

Christen in Nagasaki

Nagasaki ist weltweit nicht so bekannt wie Hiroshima. Aber Nagasaki hat eine Besonderheit, vor allem für Christenheit, denn in Japan sind höchstens ein paar Prozent der Bevölkerung Christen, und viele von ihnen leben traditionell in Nagasaki. Die Atombombe fiel gerade auf den Stadtbezirk, wo zahlreiche Christen wohnten. Etwa 10.000 von 12.000 Gläubigen starben dabei, und ihre katholische Kirche wurde zerstört. Die Ruine der Kirche wurde 13 Jahre später beseitigt und eine neue Kirche gebaut. Auf die Frage, warum die Ruine nicht erhalten wurde, im Gegensatz zur Atombombenkuppel in Hiroshima, wird hier nicht eingegangen. 

Die vierte Fragestellung lautet „Wie groß waren die Schäden in Hiroshima und Nagasaki?“. 

Zwischen Hiroshima und Nagasaki waren Unterschiede festzustellen, im Hinblick auf Brennstoff, Brisanz und Schadenslage.   

Atombomben und Bomber (Bild 12)

Der Brennstoff des „Kleinen Jungen“ war Uran und der vom „Dicken Mann“ war Plutonium. Die Detonationskraft war in Nagasaki ca. 1,5mal größer als in Hiroshima.

Der B-29-Bomber für Hiroshima hieß „Enola Gay“, der der Name der Mutter des Flugkapitäns war. Der Bomber für Nagasaki hieß „Bock´s Car“.    

Der „Kleine Junge“ explodierte über der Stadtmitte von Hiroshima. Weil Hiroshima an einer Flussmündung liegt und flach sowie großflächig ist, waren die zerstörten bzw. bestrahlten Areale nahezu kreisrund. 

Obwohl die Plutonium-Bombe in Nagasaki eine stärkere Explosionskraft hatte, waren die Schäden in Nagasaki geringer als in Hiroshima, weil der Detonationspunkt in Nagasaki ein paar Kilometer von der Stadtmitte entfernt war, weil die Einwohnerzahl von Nagasaki kleiner war als die von Hiroshima und auch weil die Bombe in einem Tal explodierte, so dass die umliegenden Berge die Auswirkung der Hitze und Druckwelle dämpften. 

Fast alle Atombombenopfer in den beiden Städten waren Zivilisten, insbesondere Frauen, Kinder und alte Menschen.   

  • Bild 10: Zerstörungen von Hiroshima und Nagasaki

  • Bild 11: Potsdamer Konferenz

  • Bild 12: Atombomben und Bomber

Bild 13: Enola Gay & Necessary Evil

Die nächste Frage ist „Wie ging es weiter?“.

Es wurde eigens eine Sondertruppe der US-Armee nach Japan entsandt, deren Aufgabe eine ausführliche Dokumentation der Bombenschäden war. Daran waren auch Wissenschaftler und Mediziner teilgenommen. Die Arbeit dauerte in den folgenden Monaten an. 

Die Sondertruppe der US-Armee ergriff folgende Maßnahmen; 

  • Fotos und filmische Aufnahmen von Schäden und Opfern, welche zuerst durch Japaner gemacht worden waren, wurden beschlagnahmt und unter Verschluss genommen. Eigene Film- sowie Fotoaufnahmen wurden selbstverständlich nicht veröffentlicht.  
  • Veröffentlichungen von durch japanische Ärzte entwickelten Therapiemethoden wurden verboten. 
  • Ärzten in Hiroshima und Nagasaki wurde Austausch von medizinischen Erkenntnissen untersagt. 
  • Haut mit Keloid, Organe sowie Blut von Verstorbenen und Krankenbogen von Verletzten wurden beschlagnahmt.  
  • In Hiroshima und Nagasaki wurde eine „Kommission zur Untersuchung der Atombombenopfer“ errichtet, welche die Strahlenopfer nicht therapierte, sondern sie nur beobachtete wie „Versuchstiere“. 
  • Es wurde der japanischen Regierung eine Anweisung erteilt, Arzneien-Hilfen vom Internationalen Roten Kreuz abzulehnen, weil therapeutische Maßnahmen Krankheitsbilder veränderten.  
  • Die radiologische Wirkung der Waffen wurde verneint, die noch Monate nach den Explosionen zehntausende Opfer forderte. 

 Alle Dokumente wurden durch die US-Sondertruppe als „top-secret“ eingestuft, denn die Besatzungsbehörde befürchtete, dass die international-öffentliche Meinung die USA nicht mehr unterstützen und Misstrauen gegen die USA zunehmen würde, wenn die wahre Sachlage der Geschehnisse in die Weltöffentlichkeit käme.  

Und jetzt die Kernfrage; Waren die Atombombenabwürfe ein „Notwendiges Übel“ oder ein „Böses Kriegsverbrechen“?  

Der nukleare Kriegseinsatz wird heute noch kontrovers diskutiert, ob wir ihn rechtfertigen können oder verurteilen sollen. 

Es wurde bereits erwähnt, dass der B-29-Bomber über Hiroshima „Enola Gay“ hieß. Sein Begleitflugzeug trug den Namen „Necessary Evil“, also „Notwendiges Übel“ (Bild 13). Dieser Name stellt die konsequente Haltung der USA während der letzten 70 Jahren dar. Die amerikanische Regierung sagt nämlich, dass die beiden Atombombenabwürfe ein notwendiges Übel waren und dass sie deshalb als „kleines Böse für größeres Gute“ gerechtfertigt werden müssen. Die USA zeigen also keine Reue für die Taten. Bis heute hat keine Regierung der USA eine offizielle Entschuldigung gegenüber den zivilen Opfern und ihren Angehörigen abgegeben. 

Die hartnäckige Haltung der USA beruht auf folgende vier Beweisgründe.

  • Der amerikanischen Armee blieb nichts übrig als die zwei hintereinander folgenden Atombombenabwürfe, um Kapitulation von Japan zu beschleunigen. Sonst wären eine Million US-Soldaten bei Landungsoperationen auf die japanischen Hauptinseln getötet worden. 
  • Die Alliierten erteilten am 26. Juli der japanischen Regierung einen Rat, zu kapitulieren, mit der Bekanntmachung der Potsdamer Beschlüsse. Aber Japan lehnte den Rat ab. 
  • Hiroshima und Nagasaki waren berühmte Militärhafenstädte. Die Atombombenabwürfe sollten als die Maßnahmen gerechtfertigt werden, welche die japanische Kapazität zum Weiterkämpfen zerstörten.  
  • Die Japanische kaiserliche Regierung drang seit 1931 immer wieder in China und südostasiatische Länder ein. Darüber hinaus überrumpelte sie Pearl Harbor der Vereinigten Staaten. Die Atombombenabwürfe waren also die gerechtfertigten Vergeltungsschläge gegen die langjährigen Verbrechen Japans. Japan hatte die Atombomben verdient. 

Damals, d. h. unmittelbar nach dem Krieg gab es bereits amerikanische Staatsbürger, wie Rechtsanwälte, Historiker und Journalisten, die die Atombombenabwürfe als unmenschliche Taten gegen Zivilbevölkerung anklagten. Diese kritischen Stellungnahmen kann man jedoch nicht als Hinweis auf die allgemeine öffentliche Meinung Amerikas werten, denn die Umfrage gleich nach den Bomben zeigte, dass nur 10% der Bevölkerung dagegen waren. 

Wegen der Besorgtheit über die wachsende Kritik an der Hiroshima-Entscheidung begann die US-Regierung Propaganda in großem Umfang, um die Bombardierung auf Hiroshima und Nagasaki zu rechtfertigen. Die Propaganda dauern heute noch erfolgreich an, so dass die überwältigende Mehrheit der Amerikaner die Abwürfe der Atombombe kaum hinterfragt und die vier oben erwähnten Beweisgründe unterstützt. Sogar der Ex-Präsident George Bush senior sagte 1991, (Zitat) „die Atombomben hätten Millionen von Leben gerettet“ (Zutat Ende). Und die amerikanischen Medien ignorieren, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Fülle von Beweisen und Argumenten, die der offiziellen Linie der US-Regierung nicht entsprechen. 

Friedenszeremonie von Hiroshima (Bild 14)

Im Sommer 2012 nahm das Enkelkind vom ehemaligen US-Präsident Truman an der Friedenszeremonie von Hiroshima zum ersten Mal teil. Er wurde dabei interviewt, wie er darüber denkt, dass sein Großvater die schlimmste Massenvernichtungswaffe in der Geschichte im Krieg einsetzte. Er antwortete, (Zitat) „Ich bin im amerikanischen Bildungssystem aufgewachsen. Ich habe also gelernt, dass die Atombombenabwürfe für das schnelle Ende des Kriegs notwendig waren.“ (Zutat Ende).

Selbstverständlich gibt es in den USA auch heute die Meinungen, die hinsichtlich der Humanität an den Atombombeneinsätzen zweifeln. Aber diejenigen, die solche Meinungen oder Kritiken äußern, werden von der amerikanischen Öffentlichkeit heftig kritisiert und unter Druck gesetzt. 

Ausstellung in Smithsonian-Institution   

Ein Beispiel dafür wäre eine Ausstellung im Nationalen Luft- und Raumfahrtmuseum der Smithonian-Institution in Washington 1995 (Bild 15). Die zum 50. Gedenkjahr geplante Atombomben-Ausstellung hätte dazu dienen sollen, die Rechtfertigung der US-Regierung zu überprüfen und die Notwendigkeit der Atombomben nochmals zu überdenken. Die Smithsonian-Institution wurde aber von führenden Kongressabgeordneten und Senatoren mit einschneidenden Haushaltskürzungen bedroht, falls sie die Ausstellung zeigen sollte. So wurde die Ausstellung in die Einstellung hineingetrieben. 

  • Bild 14: Friedenszeremonie von Hiroshima

  • Bild 15: Smithsonian-Institution & „top-secret“- Dokumente

[Fortsetzung in〈 Atombombenabwürfe II 〉]