Öffnung des Landes und danach

Bild 1: “Eintritt in den internationalen Club”

Prolog

Japan war in der Samurai-Zeit von der Welt nahezu abgeschlossen.

1853 kamen vier amerikanische Kriegsschiffe nach Japan und bedrohten mit Waffen, um das Land für westliche Länder öffnen zu lassen. 

5 Jahre später wurde der Freundschaft- und Handelsvertrag mit den USA, Großbritannien, Russland und den Niederlanden geschlossen. 1861 auch mit Preußen (Bild 1). 

Dieser Vertrag war ein nicht gleichberechtigter Vertrag; nämlich

1. Was Zollsatz anbelangt, hatte Japan keine Selbstbestimmungsrechte.

2. Japan musste den westlichen Ländern ihre Exterritorialität zubilligen.             

Japan wurde also als ein zweitklassiges, halb-unabhängiges Land behandelt.

Bevor Japan sich öffnete, hatte es gewusst, dass sich China durch den ersten (1840, gegen Großbritannien) und den zweiten (1856, gegen Großbritannien und Frankreich) Opiumkrieg erhebliche Schäden zugezogen hatte und dass Großbritannien über Indien bereits geherrscht hatte (1858).

Deshalb begann Japan seine Bemühungen um Bereicherung und Verstärkung des Landes gleich nach der Landesöffnung (1868).

Kolonisierung der asiatischen Länder

Während Japan seine Bemühungen fortsetzte, wurden südostasiatische Länder eines nach dem anderen kolonisiert (Bild 2);

Birma (heute Myanmar) durch Großbritannien (1886),

Vietnam durch Frankreich (1887),

Hawaii durch die USA (1898),

die Philippinen durch die USA (1898),

Indonesien durch die Niederlande (1904),

die Malaiische Halbinsel durch Großbritannien (1909).

Aus Norden kam Russland, um eisfreie Häfen zu erkämpfen. 1891 fing Russland an, die Transsibirische Eisenbahn zu bauen (Bild 3). Für Japan war diese russische Expansionspolitik besonders bedrohlich, weil zwischen Japan und Russland nur ein schmales Meer vorhanden ist. Die japanischen Kräfte des Staates waren noch gebrechlich. Japan befürchtete eine mögliche Invasion durch eine Kolonialmacht in vollem Ernst. Die westlichen, christlichen Länder betrachteten Asiaten einschließlich Japaner als barbarische Untermenschen.

Wie waren die Situationen der Qing-Dynastie (China) und der koreanischen Halbinsel in dieser Zeit?

Situationen der Qing-Dynastie (China) und der koreanischen Halbinsel 

In dieser für das gesamte Asien schwierigen Zeit war die Qing-Dynastie (China) ein bürokratisches, altes und abgenutztes Land und konnte sein Herrschaftsgebiet nicht richtig aufrechterhalten, obwohl sie eigentlich ein zuverlässiger Nachbar für Japan sein sollte. Und die koreanische Halbinsel stand seit 2.000 Jahren in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Qing-Dynastie (China). Japan dachte, dass die koreanische Halbinsel von Russland oder von einer westlichen Kolonialmacht erobert würde, wenn nichts unternommen würde. Japan fürchtete sich vor einer Kolonisation des eigenen Landes. Anders als in Japan misslang industrielle Revolution in China und Korea , so dass sie wirtschaftlich und militärisch sehr schwach waren. Trotzdem straften die beiden Staaten Japan mit Verachtung, während sie sich westlichen Ländern gegenüber relativ nachsichtsvoll verhielten.

Warum?
Weil in Asien Sinozentrismus herrschte. Als Sinozentrismus bezeichnet man eine ethnozentrische Ideologie, welche die vorgeblich zentrale Bedeutung Chinas gegenüber anderen Völkern hervorhebt. D. h. seit dem 3. Jahrhundert vor Christus fühlte sich China als Zentrum der Welt, als einzige Zivilisation überhaupt und schätzte andere Nationen und Völker hingegen als „Barbaren“ ein. Nach konzentrischer Anordnung (Bild 4) war Korea einer der tributpflichtigen Nachbarstaaten. Und Japan war einer der „nordöstlichen Barbaren“.

Japan war also sowohl von der westlichen Welt als auch von den beiden Nachbarländern rassistisch diskriminiert. Auf der anderen Seite war Japan stolz auf seine 2.500 Jahre alte Tradition und auch auf Samurai-Geist der Nation.

Mit diesen Hintergründen sollte man die japanische Neuzeit-Geschichte betrachten. Sonst wäre das ganze unlogisch und nicht folgerichtig.

 

 

  • Bild 2: Südost-Asien im Jahr 1914

  • Bild 3: die transsibirische Eisenbahn = blaue Linie

  • Bild 4: Konzentrische Anordnung der Nachbarländer Chinas

Bild 5: Donghak-Aufstand

Wie bereits erwähnt, waren die drei ostasiatischen Länder (Japan, China und Korea) von westlichen Kolonialmächten bedroht.

Japan fürchtete das Schlimmste, dass die koreanische Halbinsel und schließlich auch das eigene Land von einem westlichen Land erobert werden könnten. Das Kaiserreich Japan wünschte deshalb, dass Korea ein unabhängiges, starkes und japanfreundliches Land wird. Aber Korea war unter der Joseon-Dynastie traditionell ein autonomer, tributpflichtiger Vasallenstaat Chinas. Japan war deshalb entschlossen, die jahrhundertelange, chinesische Oberhoheit über Korea zu beenden, so dass es begann, Einfluss auf Korea auszuüben.

Politische Lage Koreas  

Der koreanische Souverän König Gojong wollte die Tributpflichtigkeit zu China beibehalten, wofür er als Gegenleistung dessen Schutz erhielt.Die koreanische Bevölkerung selbst war gespalten in Konservative, welche die traditionelle Beziehung zu China beibehalten wollten, und Reformisten, welche sich enger an Japan binden wollten. Wegen politischen sowie wirtschaftlichen Wirrnissen ereignete sich 1894 eine Rebellion der Bauern im Süden der koreanischen Halbinsel, die sich gegen ihre korrupte Regierung, gegen Angehörige der Oberschicht der Gesellschaft und gegen Ausländer, vor allem aus Japan und dem Westen richtete (Donghak-Aufstand) (Bild 5). Korea ersuchte Japan und China um Absendung von Truppen. Nach erfolgreicher Bekämpfung des Aufstandes wollten sowohl Japan als auch China ihre Truppen nicht abziehen und sich in die Innenpolitik Koreas einmischen. Japan verlangte, dass China mit Japan gemeinsam die koreanische Regierung reformieren sollte, was von China aber abgelehnt wurde. Japan war darum entschlossen, den chinesischen Einfluss in Korea durch seinen eigenen zu ersetzen.Die Absicht Japans, dass Japan, China und Korea gemeinsam den westlichen Kolonialmächten widerstehen, wurde nicht verwirklicht. Japan begann seinen ersten großen Auswärtskrieg.

Erster Japanisch-Chinesischer Krieg (Japan-Qing-Krieg)(August 1894 – April 1895)

Der Erste Japanisch-Chinesische Krieg war also ein Krieg zwischen Japan und China der Qing-Dynastie und ein Krieg um politischen Status Koreas.Der Krieg war ein lokaler Krieg innerhalb der koreanischen Halbinsel (Bilder 6 & 7). Der große Militärstaat Qing war zu diesem Zeitpunkt Japan an allen, nämlich Finanzen, Kriegsschiffen, militärischen Ausrüstungen sowie Zahl der Soldaten, deutlich überlegen. Die vorherrschende Meinung im Westen war, dass die modernisierten, chinesischen Armee und Flotte die Japanischen Streitkräfte besiegen würden. Und auch der deutsche Generalstab war der Ansicht, dass Japan verlieren würde.

Die japanischen Soldaten waren aber an folgenden Punkten den chinesischen überlegen; Kampflust, Drill, Disziplin und Samurai-Geist.

Korea unterstützte die japanische Kriegsführung bei Fortbewegung der Soldaten oder Anschaffung von Materialien, weil ein Bündnisvertrag zwischen Japan und Korea bestand. Er lautete, dass der Zweck des Kriegs Unabhängigkeit Koreas sei. 

Schließlich konnte Japan Friedensvertrag zustande bringen, gerade im Zeitpunkt der japanischen Überlegenheit; d. h. Japan feierte den Sieg. Das Kaiserreich China unterzeichnete im April 1895 den Vertrag von Shimonoseki (Bild 8). Und im gleichen Jahr erkannte die chinesische Qing-Dynastie Korea formell als unabhängigen Staat an.

Wie veränderte sich die Situation in Ostasien nach dem Krieg? 

 

 

  • Bild 6: Schlachtfeld auf dem Lande

  • Bild 7: Schlachtfeld auf dem Meere

  • Bild 8: Zustandekommen des Friedensvertrags in Shimonoseki

Bild 9: Faustkämpfer

Korea und China nach dem Japan-Qing-Krieg

In Korea wurden die von Japan verlangten Reformen durchgeführt, wodurch Sklaverei verboten, Sippenhaft abgeschafft, Gleichheit vor Gesetz hergestellt, Kinderheirat verboten und Heiratsalter angehoben wurde. Und die Yangban-Klasse im koreanischen Klassensystem verlor ihre Privilegien. Der chinesische Einfluss auf Korea wurde beendet, und Korea wurde somit ein offiziell unabhängiger Staat. So zerbrach das Tribut-System, das die internationale Ordnung in Ostasien gewesen war. Japan dachte, „Wir können uns gegen nach Süden vorrückendes Russland verteidigen, wenn Korea ein starkes Land wird.“

Nun, was ist mit dem besiegten Land China? 

Emotionell war die Niederlage für China demütigender als jede Niederlage zuvor, zum Beispiel sie im Ersten Opiumkrieg. Denn Japan war zuvor als ein barbarisches Land außerhalb des chinesischen Einflussbereichs in Asien betrachtet worden. Chinesen fühlten sich, dass ihr Stolz durch die minderwertigen Japaner verletzt wurde, und sie hegten zunehmend einen Groll gegen Japan. Sachlich gesehen, zeigte die Niederlage Schwäche der veralteten chinesischen Armee deutlich auf. China wurde die Ineffizienz ihrer Regierung und Politik durch die Niederlage offenbar. Außerdem nahmen ausländerfeindliche Stimmung und Agitation zu.  

5 Jahre später häuften sich Attacken der Faustkämpfer (Bild 9) gegen Ausländer, um sie aus China zu vertreiben. Die Qing-Dynastie unterstützte diesen Boxeraufstand und erklärte den Krieg an europäische Staaten und Japan.

8 Länder (Japan, Deutsches Reich, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich-Ungarn, Russland und die USA) sandten ihre Truppen nach Peking ab (Bild 10), um den Boxeraufstand niederzuwerfen und zahlreiche heimische Diplomaten und Mitbürger zu retten, die von den Boxern belagert waren. Innerhalb von 2 Monaten okkupierte die Allianz aus den acht Staaten-Truppen das gesamte Gebiet von Peking, einschließlich der Verbotenen Stadt. China erlebte wieder eine Niederlage.

10 Jahre später waren folgende Landesteile in China von ausländischen Mächten besetzt (Bilder 11 & 12);

  • Macau von Portugal,
  • Anam und Tongking von Frankreich,
  • Hong Kong sowie Weihaiwei von Großbritannien,
  • Bucht von Kiautschou mit der Hauptstadt Tsingtao von Deutschland,
  • Formosa (Taiwan) sowie Liaodong von Japan,
  • Mandschurei und Port Arthur von Russland.

Die imperialistischen Weltmächte begannen also ihre Einflussbereiche in China zu erweitern. Anders ausgedrückt, wurde eine Teilung Chinas durch die europäischen Großmächte und Japan begonnen. China wurde nun halb kolonisiert. Hier stießen also der Sinozentrismus und die europäische Zivilisation zusammen.

 

  • Bild 10: „Acht Staaten-Truppe“

  • Bild 11: Teilung von China

  • Bild 12: Von ausländischen Mächten besetztes China (ca. 1905)

Bild 13: Tripel-Intervention

Japan nach dem Japan-Qing-Krieg

Und was ist mit Japan? Das Ansehen Japans wuchs durch den erfolgreichen Krieg in der westlichen Welt, und Japan wurde als die dominante Macht in Ostasien etabliert. Obwohl Japan seine Kriegsziele alle erreicht hatte, musste es anschließend jedoch einen Rückschlag hinnehmen. Denn Russland, Frankreich und Deutsches Reich zwangen Japan unter Kriegsdrohung zur Rückgabe der Liaondong-Halbinsel an China (Tripel-Intervention) (Bild 13). Japan musste darin nachgeben, weil Japan den europäischen Großmächten an Kräften des Staates deutlich unterlegen war. Danach erhielt Russland die Liaondong-Halbinsel, die Japan an China zurückgegeben hatte. Die Spannung zwischen Russland und Japan nahm darum bedrohlich zu.

In der gleichen Zeit wollten Briten ihrerseits die russische Expansion in China und in den Pazifikraum eingrenzen und einen Verbündeten mit starker Marine im Pazifik gewinnen. Japan und Großbritannien schlossen eine Allianz (Anglo-Japanische Allianz) ab (Bild 14), um gemeinsam ein wachsames Auge auf Russland zu haben. Dieses Ereignis erregte weltöffentliche Aufmerksamkeit, weil das mächtigste Britische Weltreich zum ersten Mal ein Bündnis schloss und sein Partner ein kleines, asiatisches Schwellenland Japan war.

Eigenmächtigkeit Russlands

Wir haben gesehen, dass Korea ein selbständiges Land wurde. Korea gab nun das schwache Japan auf, das der Tripel-Intervention nachgegeben hatte, und näherte sich an Russland. Korea war also lakaienhaft. Russland hatte die Mandschurei für sich allein in Anspruch genommen und begann auf die koreanische Halbinsel vorzurücken, um eisfreie Häfen zu gewinnen. Mehrmalige Verhandlungsversuche zwischen Japan und Russland, um gegenseitige Einflusssphären festzulegen, wurden von Russland absichtlich gestoppt. Russland fühlte sich stark und mächtig genug, um keinen Kompromiss mit Japanern  eingehen zu müssen und war zuversichtlich, dass Japan keinen Krieg mit einer europäischen Großmacht wagen würde (Bild 15). Japaner fühlten sich gedemütigt, ärgerten sich und entschlossen sich dazu, irgendwann gegen Russland Krieg zu führen.

Japanisch-Russischer Krieg 

Ca. 10 Jahre später erklärte Japan Russland den Krieg um Vormachtstellung in Ostasien. Japan hatte aber überhaupt keine Aussichten auf einen Sieg, denn Russland überwog Japan deutlich in Bezug auf Menge von Materialien und Körperbau von Soldaten. Russland schätzte Japan also gering. Japan war es eigentlich nicht möglich, voraussichtliche Kriegskosten zu finanzieren. Aber mehrere britische Banken unterstützten Japan. Darüber hinaus bot ein jüdischer Kreditvermittler in den USA Japan Hilfe an, als Protest gegen die Judenverfolgung des Russischen Kaiserreichs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die USA erklärten ihr Einverständnis für den Kampfwille Japans.  

Japanische Soldaten waren russischen an Drill und Kampfmoral bei weitem überlegen. Großbritannien als der Alliierte Japans übte Druck auf Russland aus.

Frankreich war damals der Alliierte Russlands, konnte aber Russland nicht öffentlich helfen, weil es Großbritannien verhinderte. Japan war an Schlachten klar überlegen, aber die Kräfte des Staates waren nahezu erschöpft. Japan wünschte einen Friedensvertrag unter für sich vorteilhaften Bedingungen und bat die damals japanfreundlichen USA um Unterstützung.

Japanischer Sieg

Japan konnte den Krieg rechtzeitig als Sieger beenden (Bild 16). So schlossen Japan und Russland miteinander Frieden durch Vermittlung der USA. Selbstverständlich fungierten die USA als Vermittler nicht nur aus der Freundschaft, sondern aus ihrem eigenen Interesse. Die Grundlage der amerikanischen Außenpolitik in Ostasien war, zum einen eine Machtbalance zwischen Japan und Russland und zum anderen eine Gewerbebeteiligung in der Mandschurei. 

 

  • Bild 14: Anglo-Japanische Allianz

  • Bild 15: Eigenmächtigkeit Russlands

  • Bild 16: Japanischer Sieg

Bild 17: Japanisch-Russisches Gruppenfoto

„Bushidō“

„Bushido“ ist ,sozusagen, Samurai-Geist. „Bushido“ beinhaltet nicht nur Disziplin und Tapferkeit, sondern auch Barmherzigkeit und Respekt vor Feinden. Die Tatsachen, dass die japanische Kriegsmarine feindliche Soldaten aus sinkenden Schiffen rettete und auch dass japanische Soldaten vor einem Ehrengrabmal von gefallenen Feinden Gedenkgottesdienst abhielten, wurden weltweit berichtet, und der japanische Samurai-Geist wurde weit herum verbreitet.

Wie entstand das friedliche Bild 17? Ein amerikanisches Kriegsberichterstatter-Team wollte eine Filmaufnahme von Unterredung unter vier Augen zwischen dem Sieger und dem Verlierer. Der General Nogi lehnte es ab, mit der Begründung, dass der General Stößel in so einem Film als gedemütigter, besiegter dargestellt wird, was er nicht wollte. Er schlug deshalb vor, die russischen und japanischen Offiziere zusammen als Freunde fotografiert zu werden. Dabei erlaubte er den Russen, ihre Schwerter zu tragen, um sie ihr Gesicht wahren zu lassen.  

Im Japanisch-Russischen Krieg gab es noch den Geist, ihre heldenhaften Kampfaktionen gegenseitig anzuerkennen und auch den Spruch, „Feinde von gestern sind Freunde von heute“. Das japanisch-russische Verhältnis wurde besser. Die Einflussbereiche beider Länder in der Mandschurei wurden festgelegt; nämlich die nördliche Mandschurei für Russland und die südliche für Japan. 

Man könnte sagen, dass Japan mittels Residuen des Samurai-Geistes über die beiden Auswärtskriege hinwegkommen konnte. Durch den Sieg des Japanisch-Russischen Kriegs wurde Japan eine Großmacht, worauf das japanische Volk stolz war.

Nach dem Krieg 

Nach dem Japanisch-Russischen Krieg konnten die südliche Mandschurei und die koreanische Halbinsel von der russischen Besetzung befreit werden. Und Japan verteidigte seine Unabhängigkeit sowie Sicherheit.  

Die Gefahr, dass die selbständigkeitsunfähige, koreanische Halbinsel wieder von China oder Russland eingedrungen würde, bestand jedoch immer noch, was zu neuen Konflikten in Ostasien führen könnte. Japan wurde deshalb von den Weltmächten und anderen Staaten dazu aufgefordert, Korea ein Schutzgebiet Japans zu machen. Daraufhin annektierte Japan Korea vertragsmäßig, worüber Ja- und Neinstimmen auf den beiden Seiten vorhanden waren. Großbritannien und die USA stimmten der Annexion zu, und andere Länder erklärten ihr stillschweigendes Einverständnis.

Annexion (Bilder 18, 19 & 20)

Japan behandelte die koreanische Halbinsel und 15 Jahre zuvor annektiertes Taiwan anders als die westlichen Kolonialmächte ihre Kolonien. Nämlich; Die westlichen Kolonialmächte wollten nur Rohmaterial von ihren asiatischen Kolonien ausbeuten, und die einheimischen Menschen waren durchaus „Ausländer“. Japan assimilierte dagegen die Menschen auf der koreanischen Halbinsel und in Taiwan als Japaner. Es wurde deshalb in Schulen auf Japanisch unterrichtet, Namensänderung zum japanischen Stil empfohlen und verlangt, an vielen Orten schintoistische Gottesschreine zu bauen. Durch enorme Investitionen industrialisierte und modernisierte Japan die beiden annektierten Länder.  

 

  • Bild 18: Annexion der Koreanischen Halbinsel (1910)

  • Bild 19: nach Annexion Koreas I

  • Bild 20: nach Annexion Koreas II

Bild 21: Freude über den Sieg

Nach dem Japanisch-Russischen Krieg

Der japanische Sieg im Japanisch-Russischen Krieg war für die westlichen Großmächte nichts anderes als Erstaunen.

Warum?

Damals gab es tief eingewurzelte Vorurteile und Diskriminierungen weißer Rassen gegenüber farbigen Rassen seit dem 15. Jahrhundert. Und jetzt bezwang ein Staat der Farbigen ein mächtiges Land der Weißen zum ersten Mal. D. h. Japan lenkte den Fluss der Weltgeschichte ab. Für die Menschen kolonisierter und halb-kolonisierter Länder in Asien war dieses Ereignis eine große Überraschung, weil sie nicht gedacht hatten, dass eine farbige Rasse die für sie halbgöttlichen Weißen bezwingen konnte. Sie freuten sich sehr darüber, und ihr Nationalbewusstsein wurde erweckt.

Für Japan war der Sieg auch sehr erfreulich (Bild 21), denn die gleich nach der Landesöffnung abgeschlossenen, nicht gleichberechtigten Verträge mit den Weltmächten wurden seit dem Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg schrittweise, und jetzt nach dem Japanisch-Russischen Krieg komplett abgeschafft. Japan wurde nun, sowohl was den Namen als auch was das Wesen betrifft, eine Großmacht. Durch den Auftritt Japans als eine neue Großmacht wurden die Machtbereiche der westlichen Länder in Asien deutlich verschoben, was für den Westen sehr ärgerlich war.

Nach dem Japanisch-Russischen Krieg wollten auch die USA an Recht und Interesse in der Mandschurei teilhaben. Sie kritisierten Japan wegen seines alleinigen Herrschaftsrechtes in der Süd-Mandschurei und machten einen Vorschlag zur Neutralisierung der Südmandschurischen Eisenbahn-Aktiengesellschaft (Bild 22), die nach dem Japanisch-Russischen Krieg vom Kaiserreich Japan gegründet wurde. 

Japan lehnte den Vorschlag ab. Daraufhin hielten die USA Japan für eine Bedrohung und stufte es in einen angenommenen Feind ein. Die USA begannen mit antijapanischen Propaganda und Maßnahmen, wie zum Beispiel; Die amerikanischen Einwanderungsgesetze wurden für Japaner verschärft. Die USA erließen Verbot von Schulbesuch für japanische Kinder in San Francisco, wo zahlreiche japanische Auswanderer lebten. Die japanisch-amerikanische Beziehung änderte sich somit von Freundschaft zu Feindschaft.  

Gleichzeitig begannen auch die europäischen Staaten, die in China ihre erworbenen Rechte behalten wollten, Japan als ihre Konkurrenz zu betrachten (Bild 23).

Nun, blicken wir jetzt auf China.

Nach dem Japanisch-Russischen Krieg ereignete sich eine wesentliche, politische Änderung in China der Qing-Dynastie.

Entstehung der „Republik China“

Nach dem japanischen Sieg im sowohl Japanisch-Chinesischen als auch Japanischen-Russisch Krieg kamen zahlreiche junge Chinesen aus der Qing-Dynastie nach Japan, um zu studieren. Darüber hinaus gingen chinesische, politische Aktivisten in Japan ins Exil, denen ein Regierungswechsel oder bewaffnete Aufstände misslungen waren. Insgesamt kamen über 10.000 Chinesen nach Japan, unter denen sich ein revolutionärer Gedanke allmählich verbreitete. D. h. sie wollten die Qing-Dynastie stürzen und einen Freistaat für das Han-Volk errichten. Japan unterstützte sie dabei vielseitig, wie mit Förderung von fähigen Menschen, Lebensunterhalt und/oder Waffenlieferung, weil damals in Japan eine Panasienbewegung herrschte. Japan wünschte nämlich, dass asiatische Länder von den westlichen Kolonialmächten unabhängig würden und dass alle Asiaten zusammen unser Asien gegen erneute Invasionen der Großmächte verteidigten. 

Schließlich ereignete sich 1912 ein Regierungswechsel auf dem chinesischen Kontinent ohne Einmischung der Großmächte und auch ohne innere Verwicklungen. Der neue Staat hieß „Republik China“ (Bild 24).

 

 

 

  • Bild 22: Südmandschurische Eisenbahn

  • Bild 23: Westliche Einflussbereiche in China

  • Bild 24: Republik China

Bild 25: der Erste Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg (1914 - 1918)

Etwa in der gleichen Zeit, d. h. 2 Jahre später, brach der Erste Weltkrieg in Europa aus (Bild 25). Japan führte auch diesen Krieg mit, bedingt durch das vorhin erwähnte Allianz-Abkommen mit Großbritannien. Die britische Admiralität ersuchte Japan um militärische Unterstützungen im Mittelmeer. Japan lehnte zwar eine Absendung seiner Armee ab aber entsandte eine Flotte aus 13 Kriegsschiffen. 

Beim Ersten Weltkrieg war Europa das Schlachtfeld. Aber auch in China und auf den pazifischen Inseln gab es Kriegsakte, an denen die Japaner beteiligt waren. 

Z. B. erklärte Japan dem Deutschen Reich den Krieg, so dass die japanischen Einheiten in der chinesischen Provinz Shandong landeten und die deutsche Kolonie einkesselten. Die Hauptstadt Tsingtau wurde von den vereinigten japanischen und britischen Truppen belagert. Nach dem japanisch-britischen Sieg in der chinesischen Provinz Shandong ereignete sich eine Übertragung der Vorrechte des Deutschen Reiches an Japan.  

Der chinesische Kontinent war damals in der Zeit des inneren Kriegs. Aber immerhin war der neue Staat „Republik China“ entstanden. Diese „Republik China“ wollte die Gebiete und verschiedenen Vorrechte, die sie in der Vergangenheit verloren hatte, zurückerobern und unter dem chinesischen Volk Nationalismus ankurbeln. Deshalb verlangte sie von Japan, alles, was das Deutsche Reich besaß, an China zurückzugeben. Die Japaner lehnten es ab. Dadurch wurde das japanisch-chinesische Verhältnis kritisch. Japan machte sich also China zum Feind.   

Die Pariser Friedenskonferenz (1919 - 1920)

Nach dem Ersten Weltkrieg entstand (1920) der Völkerbund als Ergebnis der Pariser Friedenskonferenz. Japan beteiligte sich am Völkerbund als eines seiner ständigen Vorstandmitglieder. Daraufhin wurden die deutschen Kolonien im pazifischen Raum, beruhend auf dem Versailler Vertrag, zum Japanischen Südseemandat, das vom Völkerbund dem Japanischen Kaiserreich anvertraut wurde.

Seit der Landesöffnung hatten die Japaner immer gesehen, dass die farbigen Rassen der Menschen unter der kolonialen Herrschaft der europäischen Staaten standen (Bild 26). Und die Japaner hatten immer gedacht, dass die farbigen Rassen befreit und alle Menschen gleichberechtigt werden mussten.   

So beanspruchte das Japanische Kaiserreich die Beseitigung der Rassendiskriminierung im Internationalen Föderationskomitee der Pariser Friedenskonferenz. Der Anspruch Japans wurde mit dem Ergebnis der Abstimmung 11:5 verabschiedet. Aber der Vorsitzende, d. h. der amerikanische Präsident Wilson, verkündete, dass der japanische Anspruch nicht zustande kam, weil das Ergebnis der Abstimmung nicht einstimmig war. Das Ergebnis der Abstimmung wurde also für ungültig erklärt. 

Darüber hinaus verlangten die USA von Großbritannien, die Anglo-Japanische Allianz aufzuheben, die 20 Jahre lang das Zentrum der japanischen Außenpolitik war. 

Das bedeutet: Japan machte neben der Republik China auch die westlichen Kolonialmächte zum Feind. 

Nun, ein Blick auf den chinesischen Kontinent.

Republik China

Nachdem die Qing-Dynastie gestürzt worden und die Republik China entstanden war, waren die politischen Verhältnisse im chinesischen Kontinent wegen Aufständen sowie Säuberungsaktionen sehr instabil. In ländlichen Gebieten existierten zahlreiche Kriegsherren, die sich in ihrem Herrschaftsgebiet behaupteten. Die chinesische, politische Lage geriet immer weiter in Verwirrung. 

Mandschukuo (1934-1945)

In Nordosten des chinesischen Kontinentes, Mandschurei, kam es zur Errichtung des Staates Mandschukuo unter der Führung des letzten chinesischen Kaisers der Qing-Dynastie und mit japanischer Unterstützung. 

Mandschukuo war ein Marionettenstaat Japans mit 34 Millionen Bürgern, bestehend aus Mandschu, Japanern, Mongolen, Koreanern, Han-Chinesen, nach der Russischen Revolution geflüchteten Weißrussen, aus dem Deutschen Reich geflüchteten Juden sowie Mohammedanern wie Uiguren (Bild 27). Mandschukuo wurde international von einem Drittel aller Staaten auf der Welt anerkannt, einschließlich des Deutschen Reiches und auch des Vatikans. 

Mandschurei liegt außerhalb der Chinesischen Mauer und gehört nicht dem Han-Volk, sondern dem mandschurischen Volk. Die beiden Völker haben unterschiedliche Kultur, Sprache und Schriftzeichen. Trotzdem behauptete der US-amerikanische Präsident Roosevelt, dass Japan in China eingedrungen wäre. Und der Völkerbund verurteilte das japanische Vorgehen. Japan trat nun unaufgefordert aus dem Völkerbund aus. 

Hier begann die internationale Isolierung Japans. 

Chiang Kai-shek und Japan

Wir haben vorhin gesehen, dass über 10.000 junge Chinesen nach dem Japanisch-Russischen Krieg nach Japan kamen, um zu studieren. Darunter waren 1.700 Studenten, die an der Heeresoffizierschule vom Japanischen Kaiserreich studierten. Einer der Absolventen war Chiang Kai-shek (Bild 28), der die „Nationale Volkspartei Kuomintang der Republik China“ als Nachfolger des Gründers (Sun Yat-sen) führte. Chiang Kai-shek erkannte Mandschukuo nicht an. Aber Feindseligkeiten zwischen Japan und der Republik China gab es zu dieser Zeit noch nicht, und das Verhältnis der beiden Staaten war stabil.   

 

  • Bild 26: Rassendiskriminierung

  • Bild 27: Stadtbild des Mandschukuo

  • Bild 28: Chiang Kai-shek (24 Jahre alt) in Japan

Bild 29: Gruppenbild mit Mao Tse-tung und Stalin

Mao Tse-tung und Sowjetunion

In jener Zeit erlangte Mao Tse-tung die Machtposition in der Kommunistischen Partei Chinas. Und die Partei von Mao Tse-tung stand unter Führung der Komintern (Kommunistische Internationale). Der Rädelsführer der Komintern war natürlich die Russische Kommunistische Partei (Bild 29). Die Komintern erklärte öffentlich, dass eine anti-japanische Frontlinie in China gebildet werden musste. Die Zweigniederlassung der Komintern, d. h. die Chinesische Kommunistische Partei, bereitete somit Krieg mit Japan vor und stiftete immer wieder anti-japanische Terrorakte.

Änderung des Verhältnisses zwischen Japan und Republik China

Das gemeinsame Hauptziel des Japanischen Kaiserreiches und der Republik China von Chiang Kai-shek war die Vernichtung der Chinesischen Kommunistischen Partei, so dass die beiden Staaten zusammen gegen die Volksbefreiungsarmee von Mao Tse-tung kämpften.  

Hier geschah ein schicksalhaftes Ereignis für Japan. 

Die Volksbefreiungsarmee der Kommunisten nahm nämlich Chiang Kai-shek gefangen (1936 Zwischenfall von Xi´an). Chiang Kai-shek wurde aber zwei Wochen später freigelassen und änderte dann seine kriegerische Haltung. Nämlich, er erteilte seiner Armee den Befehl, den inneren Krieg gegen den Kommunisten einzustellen. Dass sich die chinesischen Nationalisten und Kommunisten auf einen Waffenstillstand einigten, bedeutete, dass sie eine Einheitsfront gegen Japan bildeten (Bild 30). Von der japanischen Seite gesehen, war Chiang Kai-shek ein Verräter. Man weiß nicht, ob anti-japanische Kriegsakte eine notwendige Voraussetzung für die Freilassung von Chiang Kai-shek waren. Sicher ist nur, dass die kommunistische Partei einen Keil zwischen Japan und Chiang Kai-shek treiben wollte.

Erklärung vom Papst

Zu dieser Entwicklung des Kriegs gab der damalige Papst, Pius der XI. (1922-39) eine Erklärung an alle Katholiken auf der ganzen Welt ab: 

„Die japanische Handlung ist kein Eroberungskrieg. Japan kämpft, um den Kommunismus auszuschließen und China zu beschützen. Alle katholischen Kirchen und Katholiken auf der ganzen Welt müssen freimütig mit der japanischen Armee zusammenarbeiten.“ (Oktober 1937)

Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke

Wie bereits erwähnt, behaupteten sich viele mächtige, chinesische Kriegsherren in ihrem Herrschaftsgebiet. In solcher chaotischen Situation mussten die Weltmächte, wie die USA, Großbritannien, Frankreich sowie das Deutsche Reich, ihr Militär überall in China absenden, um ihre dort lebenden Landsleute zu schützen, was in der Republik China gesetzlich erlaubt war. Auch den Japanern war es erlaubt, ihr Militär in China zu stationieren, zum Schutz der Südmandschurischen Eisenbahn und ihrer Landsleute. Es ereignete sich ein Feuergefecht zwischen der japanischen Armee und der Nationalrevolutionären Armee der Republik China, was „Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke“ genannt wird (Bild 31). Auch nach dem „Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke“ traf Japan eine Vereinbarung der Waffenruhe mit Chiang Kai-shek mehrmals, um einen Kriegsausbruch zu vermeiden. Aber Chiang Kai-shek verletzte die Vereinbarung zu wiederholten Malen und provozierte Japan immer wieder.  

Ausbruch des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg 

Die Häufigkeit anti-japanischer Bewegungen nahm deutlich zu. Die Sicherheit der in China ansässigen Japaner war bedroht, so dass nicht nur japanische Militärangehörige, sondern auch zahlreiche Zivilisten immer wieder beraubt und niedergemetzelt wurden, wie z. B. Tongzhou-Zwischenfall. Das Krisenbewusstsein der Japaner wuchs immer weiter, was durch Hetzartikel der Massenmedien verstärkt wurde. Die Japaner entschieden sich nun dafür, totalen Krieg mit China zu führen, obwohl sie sich bis dahin sehr intensiv bemüht hatten, Streitigkeiten nicht zu erweitern. Wie z. B. versuchte der deutsche Botschafter in Nanjing, namens Osker Trautmann, im Auftrag von Japan, eine Zuspitzung des Konflikts zwischen Japan und China zu verhindern. Alle politischen Manöver, um einen totalen Krieg zu vermeiden, waren aber erfolglos. Der „Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke“ wird somit als auslösend für den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg angesehen.

Entscheidung für den Krieg

Wer entschied sich eigentlich für den Krieg gegen China? Ein japanischer Diktator? 

Nein, in Japan gab es damals keine Diktatur. In Japan wurde der Ministerpräsident während der Kriegszeit achtmal gewechselt. Das heißt, das Parlamentarische System funktionierte noch. Aber der Einfluss des Militärs auf die Regierung war sehr stark, und das japanische Volk sowie die Massenmedien unterstützten das Militär.  

Machtkämpfe um den chinesischen Kontinent

Wie sah der chinesische Kontinent zu dieser Zeit aus? 

Nach dem Beginn der 1940-ger Jahre wurden zahlreiche Kriegsherr-Regierungen in verschiedenen Orten vereinigt bzw. beseitigt, so dass mehr oder weniger nur noch drei Kriegsherr-Regierungen übrigblieben (Bild 32). 

Die eine war die Mao Tse-tung-Regierung, die von der UdSSR unterstützt wurde. 

Die andere war die Chiang Kai-shek-Regierung, unterstützt von den westlichen Großmächten. 

Und die Wang Jingwei-Regierung wurde vom Japanischen Kaiserreich unterstützt. 

Die Mao Tse-tung-Regierung war klein und rückgratlos, so dass sie auf dem Lande im Verborgenen blieb. Die scheinbare Sachlage des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs war deshalb ein Krieg zwischen Japan und der Chiang Kai-shek-Regierung. Aber in Wirklichkeit war das ein Krieg zwischen Japan und Großbritannien sowie den USA. 

Nun, warum mischten sich Großbritannien und die USA in die Streitigkeiten im Fernen Osten ein, obwohl sie völkerrechtlich unparteiisch sein sollten?

Großbritannien hatte seine Recht und Interesse in Schanghai und wollte deshalb eine Ausweitung der japanischen Besatzungszone in China verhindern. Und die USA interessierten sich für Erwerb eigener Kolonien in China. Weil die meisten Gebiete des chinesischen Kontinentes bereits von den europäischen Kolonialmächten eingenommen waren, visierten die USA die Mandschurei. Aber in der Mandschurei gab es die japanischen Recht und Interesse seit dem Japanisch-Russischen Krieg. Und es bestand bereits Mandschukuo, in dem verschiedene, ostasiatische Völker in Frieden und Eintracht leben sollten. Darin wollten die USA eindringen. Japan stand aber im Wege. 

 

  • Bild 30: Mao Tse-tung und Chiang Kai-shek

  • Bild 31: Marco-Polo-Brücke

  • Bild 32: Drei Hauptmächte auf dem chinesischen Kontinent

Bild 33: Chiang Kai-shek und seine Ehefrau, Mei-ling, in den USA

Empfindungen des amerikanischen Volks gegenüber China und Japan 

Chiang Kai-shek schickte seine Ehefrau, namens Mei-ling, nach den USA. Sie stammte aus einer sehr reichen Familie, hatte in den USA studiert, war Christin und sah gut aus. In den Vereinigten Staaten verbreitete sie üble Nachrede über Japan in fließendem Englisch und unter Tränen. So bildete sie eine Anti-Japan-Lobby in den USA (Bild 33). 

Was für einen Eindruck hatte das amerikanische Volk überhaupt von China bzw. Japan? 

Die Amerikaner empfanden Zuneigung für China, weil China zahlreiche amerikanische Missionare aufgenommen hatte und auch weil die amerikanische Wirtschaft vom „gigantischen, chinesischen Markt“ geträumt hatte. Hingegen war Japan für das amerikanische Volk ein andersgeartetes Land, das seine traditionelle Kultur, ohne den USA zu schmeicheln, eigensinnig beschützte und sich der christlichen Zivilisation nicht assimilierte. Unter diesen Vorbedingungen war die Propaganda der Frau von Chiang Kai-shek sehr erfolgreich.  

Japanisches Vorrücken in Südostasien

Die USA und Großbritannien ließen der Chiang Kai-shek-Regierung Kriegsmaterial aus ihren Kolonien in Südostasien zukommen. Die japanischen Truppen wollten die Transportwege abschneiden und begannen deshalb, nach Süden vorzurücken. 

Es gab auch einen anderen zwingenden Grund fürs Vorrücken nach Süden; die Japaner wollten nämlich Rohstoffe in Südostasien erlangen, weil die USA, Großbritannien und der Völkerbund ein Embargo für Stahl, Öl und andere Mineralien sowie Naturkautschuk über Japan verhängt und dessen finanzielle Mittel eingefroren hatten. Dem Japanischen Kaiserreich blieb nun keine andere Wahl als Anmarsch in Südostasien, um zu überleben. Sie wissen ja, dass ein Embargo in einen kriegerischen Konflikt umschlagen kann.

Training einheimischer Freiheitskämpfer

Nach dem Vorrücken in Südostasien klärte die japanische Armee den Einheimischen über ihr Selbstbestimmungsrecht auf und erteilte ihnen militärischen Drill, um den Suzeränen der Kolonien zu widerstehen. Der militärische Drill war sehr streng, aber noch wichtiger war, dass der Samurai-Geist den einheimischen Freiheitskämpfern eingeimpft wurde (Bild 34). Die japanische Armee kämpfte gegen die Heere der Kolonialmächte zusammen mit den Unabhängigkeitstruppen von Indien, Burma (Myanmar), Indonesien und Singapur.   

Befreiung Südostasiens

Hier sind einige von Organisationen für Unabhängigkeitsbewegung, die die Japaner gründeten bzw. unterstützten.

Indien:            Indian National Army (INA)

Burma:           Burma National Army (BIA) 

Indonesien:    Pembela Tanah Air (PETA) = Defenders of the Homeland

Singapur:       Kōa Training Center

Schließlich gelang es der japanischen Armee und den südostasiatischen Unabhängigkeitstruppen, all die Truppen der westlichen Länder aus Südostasien fortzujagen. 

Ein Teil der japanischen Patrioten behauptet, dass Japan den Krieg in Südostasien begann, um die Einheimischen von den Kolonialmächten zu befreien. Das ist aber nicht richtig. Tatsächlich gab es solche Idee, denn Japan hatte in der Pariser Friedenskonferenz die Beseitigung der Rassendiskriminierung beansprucht, wie bereits erwähnt. Der wichtigste Zweck des Kriegs war dennoch die Selbstverteidigung zum Überleben des Kaiserreichs Japan. Die Befreiung der südostasiatischen Völker war nur ein Gegenstand des japanischen Wunsches. 

Dreimächtepakt

Um seine Position vorteilhaft zu machen, schloss das Kaiserreich Japan den Dreimächtepakt mit dem Deutschen Reich und dem Königreich Italien. Der Dreimächtepakt stieß die USA und Großbritannien natürlich ab. 

Die Japaner wollten aber auf alle Fälle einen Krieg mit den USA vermeiden. Wiederholte Verhandlungen für Abweichen eines Kriegs waren erfolglos. Die Japaner machten auch einen Vorschlag zum Treffen der beiden Regierungschefs, was der britische und amerikanische Botschafter in Tokyo empfohlen hatten. Die USA lehnten aber den Vorschlag ab. 

Diplomatische Note der USA (Hull-Note)  

Und schließlich wurde eine diplomatische Note der USA, namens Hull-Note, an Japan überreicht. Und das war de facto der Schlusspunkt der Verhandlungen zwischen Japan und den USA. Die Regierung Japans fasste diese Note als Ultimatum auf, denn mit der Hull-Note hielten die USA Japan sehr strenge Bedingungen vor. Die Amerikaner waren überhaupt nicht bereit, einen Kompromiss einzugehen. Insbesondere konnte die japanische Regierung die drei Punkte in der Hull-Note nicht akzeptieren. 

Der erste Punkt bedeutete: Verzicht auf alles, was Japan bisher auf erhebliche Kosten von Menschenleben und Ressourcen aufbaute. 

Der zweite bedeutete: Verleugnung der Wang Jingwei-Regierung, mit der Japan eine diplomatische Beziehung hatte. ---- So etwas machen Samurai nicht und halten dem Partner die Treue. 

Der letzte bedeutete: Widerruf des Dreimächtepaktes.---- Das machen Samurai auch nicht, denn das ist ein Verrat der zwischenstaatlichen Treue.   

Die Japaner standen in einer ausweglosen Situation, nämlich „Ohne Kampf würde Japan zugrunde gehen, aber mit Kampf ebenso.“, denn es gab enorme sowohl militärische als auch wirtschaftliche Kräfteunterschiede zwischen den beiden Staaten.  

Wirtschaftlicher Umfang von Japan bzw. den USA (Vergleich)

Das Bild 35 zeigt den Vergleich des wirtschaftlichen Umfangs im Jahr 1941: Japan zu den USA in Öl-Produktion (1:721), Stahl-Produktion (1:18) und Bruttosozialprodukt (1:13). Dennoch wollten sich die Japaner den USA nicht ergeben, ohne zu kämpfen. Es wäre sonst sehr unehrenhaft für Samurai. Und eine Kapitulation ohne Kampf würde zum seelischen Zerfall des japanischen Volks führen.    

Kaiserliche Konferenz (Bild 36)

1941 brachen die USA die Verhandlungen mit Japan ab und erteilten ihrem Militär den Befehl zur Kriegsvorbereitung. Auch Japan entschloss sich zum Eintritt in den Krieg. Somit war der Ausbruch des Pazifikkriegs im Anzug.  

  • Bild 34: Militärischer Drill durch japanischen Soldaten

  • Bild 35: Wirtschaftlicher Umfang von Japan bzw. den USA (Vergleich)

  • Bild 36: Kaiserliche Konferenz

Bild 37: Pearl Harbor

Pearl Harbor

Im Dezember 1941 überfiel die japanische Luftflotte Pearl Harbor (Bild 37). So wurde die amerikanische Volksstimme mit „Remember Pearl Harbor!“ immer lauter. Zudem hatte Japan durch die Kriegspropaganda einen sehr schlechten Ruf unter dem amerikanischen Volk. Die Vereinigten Staaten erklärten Japan den Krieg. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor erklärten außerdem auch Großbritannien, Australien, Neuseeland, Kanada und die Niederlande Japan den Krieg. 

Kriege der USA mit Schlachtruf (Bild 38)

Die USA sind ein seltsames Land. Denn bei ihren Kriegen gibt es immer zuerst einen Angriff des Gegners. Und mit dem Schlachtruf „Remember ----------- !” kommt es zur vereinigten, öffentlichen Meinung, die zum Kriegsausbruch führt. 

Bild 38: Kriege der USA mit dem Schlachtruf „Remember ----------- !“

Bild 39: Großostasiatische Konferenz

Großostasiatische Konferenz

2 Jahre später fand eine Konferenz in Tokyo statt, die als „Großostasiatische Konferenz“ bezeichnet wurde (Bild 39). Sie war ein internationaler Gipfel, zu dem das Kaiserreich Japan die führenden Politiker aus den Ländern der sogenannten „Großostasiatischen Wohlstandssphäre“ einlud. Die daran teilgenommenen Länder waren Burma sowie Mandschukuo. Aus der Republik China kam Wang Jingwei, den Japan unterstützte. Und auch Thailand, die Philippinen und Indien. Bei der Konferenz gaben sie eine gemeinsame Großostasien-Erklärung ab. Und sie strebten nach asiatischer Unabhängigkeit von der Kolonialpolitik der westlichen Großmächte. 

Diese Großostasiatische Konferenz wird heute nach der Geschichtsauffassung der damaligen Kolonialmächte wie folgt interpretiert;  

Diese Großostasiatische Konferenz wurde als Propaganda-Schaustück geplant, um die Verpflichtung des Japanischen Kaiserreichs zu den Idealen der Panasienbewegung zu zeigen und um die Rolle als „Befreier“ Asiens vom westlichen Kolonialismus hervorzuheben.“ 

Es ist schwierig, festzulegen, ob diese Interpretation richtig ist oder nicht. Aber man kann sich auf jeden Fall vorstellen, dass alle asiatischen Völker mit der „Überlegenheit der Weißen“ nicht einverstanden waren. Nur Chiang Kai-shek und Mao Tse-tung waren die Marionetten der Staaten der Weißen. 

Burma (Myanmar): Unabhängigkeit und Bombardement

Im gleichen Jahr wie die Großostasiatische Konferenz deklarierte Burma unter japanischer Unterstützung seine Unabhängigkeit von Großbritannien. Gleichzeitig erklärte Burma den USA und Großbritannien den Krieg, wodurch Burma sich den Zorn der beiden Kolonialmächte zuzog. Mehrere Städte von Burma wurden bombardiert und zerstört (Bild 40), natürlich von den USA und Großbritannien. 

An den Schlachten im Pazifischen Raum war Japan zuerst überlegen, aber die Lage wurde dann umgedreht.  

Niederlage von Samurai-Nippon

Und Samurai-Nippon wurde besiegt und verlor alles (Bild 41). Allen japanischen Soldaten wurde dann der Befehl gegeben, nach Japan heimzukehren.  

Danach kamen die früheren Suzeräne, wie die Niederlande, Großbritannien, Frankreich usw. in Südostasien zurück, um ihre Kolonialherrschaft wieder zu eröffnen.  

Gebliebene Samurai

Aber ca. 2.000 japanische Offiziere und Soldaten mit ihrem Samurai-Geist hatten den Befehl, heimzukehren, verweigert und waren in einigen südostasiatischen Ländern geblieben (Bild 42). Die gebliebenen Samurai schlossen sich an die dortigen Unabhängigkeitstruppen an und kämpften gegen die zurückgekommenen Truppen der Kolonialmächte um Freiheit der farbigen Rasse.

 

  • Bild 40: Bombardement auf Rangun (Yangon) / Burma (Myanmar)

  • Bild 41: Atombomben-Abwürfe

  • Bild 42: In Südostasien gebliebene Samurai

Bild 43: Kolonien und ihre Suzeräne

Kolonien und ihre Suzeräne

Die asiatischen Länder gaben eines nach dem anderen ihre Unabhängigkeitserklärung (Bild 43) ab. 

Die Beweise dafür, dass Japan beim Erlangen ihrer Unabhängigkeit mitwirkte, finden sich heute in einigen Ländern. 

In Indonesien blieben ca. 1.000 japanische Soldaten, um für die Befreiung des dortigen Volks zu kämpfen. Sie versorgten Indonesien mit Waffen und Kampftechniken. Etwa die Hälfte von Ihnen fiel im Befreiungskampf und ist heute in den indonesischen Heldenfriedhöfen begraben.   

Das Bild 44 zeigt die Indonesische Unabhängigkeitserklärung. Zu beachten ist, dass das Jahr als 05 angegeben ist, weil das Jahr 1945 nach dem japanischen Kalender 2605 war.

Auf dem Gedächtnis-Platz in Indonesien steht ein Monument für japanische Soldaten (Bild 45). Die Bronzestatue eines japanischen Soldaten steht vor dem Museum für die Befreiungsarmee (Bild 46). Und 6 japanische Offiziere erhielten die unabhängigkeitsbezogene, höchste Auszeichnung mit "Nararia Medaille".  

Was Auszeichnung anbetrifft, erhielten auch 7 japanische Offiziere in Burma die Auszeichnung mit "Aung San Emblem" 

Im Chandra Bose Park in Old Delhi Stadt, Indien, steht das Monument für die „Indische Unabhängigkeits-Miliz (INA) und Japanische Soldaten" (Bild 47). Sie kämpften gemeinsam, was die Grundlage der indischen Unabhängigkeit wurde. 

In Jahr 1995 wurde in der philippinischen Hauptstadt Manila ein Plakat anlässlich des Jahrestags der Unabhängigkeit angefertigt. Im Plakat ist die Flagge der japanischen Marine zu sehen (Bild 48). 

Außerdem gibt es in den Philippinen einige Monumente für Kamikaze-Flieger (Bild 49), weil die erste Kamikaze-Spezialtruppe aus den Philippinen zum Angriff abflog.    

Bandung-Konferenz

Im Jahr 1955, d. h. 10 Jahre später nach dem Kriegsende, fand die erste Bandung-Konferenz statt (Bild 50). Die daran teilgenommenen, 29 Staaten waren eine lockere Verbindung zwischen asiatischen und afrikanischen Staaten, die das Ende des Kolonialismus, den Kampf gegen Rassendiskriminierung und die kulturelle sowie wirtschaftliche Zusammenarbeit zum Ziel hatten. Zu dieser Konferenz wurde Japan eingeladen. Die japanische Delegation war dabei willkommen und erhielt Dankesworte dafür, was Japan für sie getan hatte. 

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man folgendes feststellen (Bild 51).

Ein Land der farbigen Rasse, Samurai-Nippon, kämpfte tapfer gegen die Großmächte der weißen Rasse auf der internationalen Bühne. Diese Tatsache brachte den ausgebeuteten, südostasiatischen Völkern Selbstbewusstsein und Mut. Im zweiten Weltkrieg wurde Japan zwar niedergeschlagen und verlor alles. Aber Japan konnte zur Befreiung Südostasiens zumindest etwas beitragen, genauso wie die Japaner immer gewünscht hatten.

 

  • Bild 44: Unabhängigkeitserklärung von Indonesien

  • Bild 45: Monument für japanische Soldaten in Indonesien

  • Bild 46: Bronzestatue eines japanischen Soldaten

  • Bild 47: Monument für die „Indische Unabhängigkeits-Miliz (INA) und Japanische Soldaten"

  • Bild 48: Plakat anlässlich des Jahrestags der Unabhängigkeit in den Philippinen mit Flagge der japanischen Marine

  • Bild 49: Monument für Kamikaze-Flieger

  • Bild 50: Bandung-Konferenz

  • Bild 51: Zusammenfassung

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